Wenn ich mir bislang meine kleine Sammlung angesehen habe, drängte sich ein Gedanken auf: Da tummeln sich Dresswatches, Toolwatches, Fliegeruhren, eine Mondphase und ein digitales Multifunktionswunder, nur eines fehlte komplett: eine echte Taucheruhr. Keine Uhr, die zufällig 100 Meter aushält, sondern eine, die aus der Taucherei kommt und auch so aussieht. Diese Lücke ist jetzt geschlossen, mit einer Squale Y1545 mit Keramiklünette.

Squale: Vom Gehäusebauer zur Taucherlegende
Die Geschichte von Squale beginnt nicht mit einer eigenen Uhr, sondern mit einem Handwerk im Hintergrund. 1946 gründete Charles von Büren, selbst begeisterter Taucher, in Neuchâtel die Firma C. Von Büren SA. Ihre Spezialität war der Bau wasserdichter Uhrengehäuse, damals technisches Neuland. Von Bürens Gehäuse waren so gut, dass sie bald bei anderen Marken landeten: Blancpain, Doxa, Heuer, Zeno und Auricoste ließen bei ihm fertigen, teilweise mit der charakteristischen Krone auf 4 Uhr.
Erst 1959 meldete von Büren den Namen „Squale“ als eigene Marke an, italienisch-französisch für Hai, ein durchaus passender Name für einen Taucheruhren-Spezialisten. Ab diesem Zeitpunkt brachte er auch Uhren unter eigenem Namen heraus, mit Modellen wie der Master-Serie bis 500 Meter oder der asymmetrischen 1521, die bei der italienischen Marine im Einsatz war. Squale belieferte außerdem das „House of Divers“, wo unter anderem das Taucherkorps der italienischen Marine ausgebildet wurde, sowie Fallschirmspringer der Brigata Folgore.
Wie so viele mechanische Marken erwischte auch Squale die Quarzkrise der 1970er und 80er Jahre hart, die Produktion wurde stark zurückgefahren. Die Rettung kam aus Italien: Die Familie Maggi, die zuvor schon als Vertrieb für Squale in Italien tätig war, übernahm die Marke und baute sie neu auf. 2010 wurde Squale mit Sitz in Mailand relaunched, gefertigt wurde weiterhin in der Schweiz. 2020, zum 60-jährigen Jubiläum der Markenanmeldung, zog auch der Firmensitz komplett zurück in die Schweiz, nach Chiasso. Bis heute leitet Andrea Maggi das Unternehmen, das damit seine italienisch-schweizerische Doppelidentität bis in die Gegenwart trägt.
Die Y1545: Klassischer Diver, modern interpretiert
Innerhalb der aktuellen Kollektion gehört die Y1545 zur „20 Atmos“-Linie, benannt nach ihrer Wasserdichtigkeit von 20 bar, also 200 Metern. Das 40 mm große Gehäuse aus Edelstahl kombiniert satiniert-gebürstete Flächen oben mit polierten Seiten, ein Kontrast, der ihr trotz Werkzeugcharakter eine gewisse Eleganz verleiht. Angetrieben wird sie von einem Schweizer Automatikwerk aus der Sellita SW200-Familie, dazu kommen ein flaches Saphirglas mit Entspiegelung und eine verschraubte Krone auf 3 Uhr.
Das eigentliche Highlight ist aber die Keramiklünette, die dem Modell auch seinen Beinamen gibt. Anders als bei lackierten Alu-Inlays wird hier die Lünette aus Keramik gefertigt, die Ziffern werden eingraviert und anschließend bei rund 1500 Grad gebrannt und gehärtet. Das Ergebnis ist eine Oberfläche, die kaum verkratzt und ihre Farbe auch nach Jahren in der Sonne nicht verliert, poliert bis zum Hochglanz, mit satten 120 Klicks in eine Richtung für exaktes Timing unter Wasser. Genau diese Kombination aus klassischer Optik der 70er-Skindiver und moderner Materialtechnik hat mich letztlich überzeugt.
Warum jetzt, warum diese
Ehrlich gesagt: Eine Sammlung ohne waschechten Diver ist wie ein Werkzeugkasten ohne Hammer. Man kommt zwar irgendwie durch, aber wenn es drauf ankommt, wird improvisiert. Die Seiko Alpinist ist Bergsteiger, kein Taucher, der Citizen Promaster ist ein Pilot mit Taucher-Ambitionen, und selbst die robusteste Certina bleibt eine Uhr, die zufällig auch nass werden darf. Die Squale dagegen wurde genau für diesen einen Zweck entworfen, und man merkt es ihr an: am satten Klicken der Lünette, am Gewicht auf dem Handgelenk, an der schieren Kompromisslosigkeit der Konstruktion.
Dass ich damit nicht regelmäßig in die 200-Meter-Tiefe abtauche, sondern höchstens mal beim Schwimmen im See, tut der Sache keinen Abbruch. Eine Toolwatch muss nicht ständig im Einsatz sein, um ihre Daseinsberechtigung zu haben, genauso wenig wie ein Feuerlöscher täglich benutzt werden muss. Hauptsache, sie ist da, wenn es drauf ankommt, und bis dahin sieht sie einfach verdammt gut aus.
Willkommen in der Sammlung, Squale. Es hat lange genug gedauert.
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